Neandertaler und CO

1856 änderte sich die die Anschauung des Menschen über sich selbst und seine Geschichte schlagartig, als in einem Steinbruch im Neandertal im Rheinland 16 Knochen geborgen wurden. Diese Knochen, zunächst als Überreste eines Höhlenbären deklariert und entsorgt, stellten sich als die bis dato ersten Überreste eines Frühmenschen heraus – der Neandertaler war geboren.

Heutige Forschungen zeigen, dass der Neandertaler – wissenschaftlich Homo neanderthalis – ein Verwandter des heutigen Menschen (Homo sapiens) ist, welcher sich parallel entwickelte. Der Neandertaler ging, entgegen der volkstümlichen Meinung, aufrecht und sein Skelettaufbau entsprach dem des heutigen Menschen. Einzig die Proportionen unterschieden sich von den unseren. Der Irrtum, dass der Neandertaler gebückt und mit einer Keule in der Hand das damalige Europa durchstreifte basiert auf einer zunächst falschen Skelettrekonstruktion der 16 gefundenen Knochen.

Mittlerweile sind weitere Funde des Frühmenschen bekannt und sein Alter wird auf eine Periode von ca 130.000 bis 30.000 Jahren geschätzt. Das im Neandertal gefundene Exemplar wird auf ca. 42.000 Jahre datiert. Die bisherigen Fundstellen beweisen, dass der Neandertaler vorrangig in Süd- und Mitteleuropa sowie im Nahen Osten beheimatet war.

Verwandschaft des Neandertalers zum Menschen

Die Tatsache, dass Neandertaler und moderne Menschen über Jahrtausende miteinander Koexistierten, legt die Vermutung nahe, dass ein Genetischer Austausch zwischen beiden Rassen stattgefunden haben könnte. Forscher des Max-Planck Institutes für evolutionäre Anthropologie haben eine Methode entwickelt, um fossile DNA – sogenannte aDNA – zu isolieren. Vergleich der menschlichen DNA mit aDNA haben gezeigt, dass diese sich nur gering prozentual unterscheiden und innerhalb der heute gängigen Schwankungsbreite zwischen den Menschen liegen.

Auch hat sich gezeigt, dass viele Gene des heutigen Menschen mutiert sind, während sie beim Neandertaler und Menschenaffen identisch sind. Dies zeigt ebenfalls, dass der Neandertaler ein Verwandter, nicht jedoch ein Vorgänger des heutigen Menschen war.

Trotzdem wird von den Forschern ein Genfluss zwischen modernem Mensch und Neandertaler von ca. 1-4%  angegeben. Dieser Genfluss bezieht sich auf die Nicht-Afrikanischen Menschen. Erstaunen äußerten die Forscher darüber, dass der Genfluss im europäischen Raum nicht größer war als im Asiatischen. Es wird vermutet, dass im europäischen Raum bereits eine große Population an Homo sapiens vorhanden war. Einer Studie zufolge findet der Genfluss nämlich in der Regel vom ansässigen zum zugezogenen Volk statt und seltenst umgekehrt.